7 Todsünden - Tanzperformance mit 7 Choreographen
   
  Evagrius von Pontus, ein griechischer Theologe (* 346 - 399/400)
stellte erstmals einen Katalog von acht Todsünden und bösen
Leidenschaften zusammen: Völlerei, Wolllust, Habgier, Traurigkeit,
Zorn, geistige Faulheit, Ruhmsucht und Stolz. Die Reihung erfolgt
nach der Ichbezogenheit. Stolz ist damit die schwerste Sünde.
Eine Zusammenfassung von 7 Todsünden geht auf Papst Gregor I.,
den «Großen» (590-604) zurück. Er fasste Ruhmsucht und Stolz,
sowie Traurigkeit und Faulheit zusammen und fügte den Neid hinzu.
Ergebnis seiner neuen Reihung war ein jahrhundertelang gültiger
Katalog der Todsünden: Stolz, Neid, Zorn, Traurigkeit, Habgier,
Völlerei, Wolllust. Im 7.Jhdt. wurde die Traurigkeit durch die Trägheit
ersetzt.
   
Choreographie: Marie-Sophie Kluger
«Acedia» - Trägheit, Überdruss


Müßiggang oder Faulheit bezeichnen oft ein Dahinleben
ohne Eigeninitiative. Meine unbewussten Seiten werden
verdrängt, ich stelle mich ihnen nicht.
Die Todsünde besteht darin, nicht nach innen zu hören
und damit verborgene Talente nicht zu entdecken oder zu
entwickeln. “Kommt Zeit, kommt Rat” wird so zu einer
fatalistischen Lebenseinstellung pervertiert. Helfen sollen
nur die Anderen, ich bin nur zum Nehmen da.
   
Choreographie: Roberto Scafati
«Superbia» - Stolz, Hoffart


Welchen Stellenwert hat mein Ego, meine Ich-
Durchsetzung? Ein alter Grundsatz lautet: “Herrschen
darf nur, wer sich zuvor selbst beherrscht”. Durch
Schmeichelei und Falschheit nach oben zu kommen,
erhöht zu werden, ist gefährlich. Ohne Demut droht die
Todsünde der Hoffart. «Radfahrer» sind dabei oft die
Folge - nach unten treten und nach oben buckeln.
Achtung vor dem «steinernen Herz»: “Ich brauche von
niemandem Hilfe, ich kann alles selbst schaffen,
niemand braucht Hilfe und Hilfeleistung...
   
Choreographie: Miguel Cartagena V.
«Luxuria» - Wollust, Unkeuschheit


Sexualität ist eine positive Kraft. Erst das Ausleben der
Sexualität um jeden Preis, und des alleinigen Genusses
willen, verbunden mit der Abwertung des Partners zerstört.
Die leidvolle Erfahrung mancher Menschen zeigt, daß
Sexualität oft auch unberechenbar wird und ganze
Lebensentwürfe zerstören kann. Nicht wenige Kulturen
reagieren daher mit Tabuisierung oder Sexualvorschriften,
um sich vor einer unberechenbaren Sexualität zu schützen.
   
Choreographie: Meic Stephan
«Invidia» - Neid, Eitelkeit


Neid ist vielleicht die entscheidendste Todsünde. Bei
anderen Menschen sehe ich immer nur das Gute, bei mir
nur das Minderwertige. Die Folgen des Neids sind
Verschlagenheit und Hinterhältigkeit.
Neid ist vorzüglich geeignet, von den eigenen Fehlern
abzulenken. Das Missvergnügen über sich selbst wird auf
die anderen projiziert. Schmeichelei und Neid treten oft
gepaart auf, um Macht zu gewinnen.

- 15 Minuten Pause -
   
Choreographie: Richard Weber
«Gula» - Unmäßigkeit, Völlerei


Das Wort Maßlosigkeit scheint für diese Todsünde gut
geeignet. Jede Entfaltung muss mit Maß geschehen. Nur
wer den Blick auf das Ganze, auf den Sinn nicht aus den
Augen verliert, kann das richtige Maß finden. Dabei soll
man sich nicht nur auf die Nahrungsmittelaufnahme
(Magersucht, Fresssucht) beschränken.
Wir wissen um die Gleichgültigkeit, mit der wir etwa dem
übermäßigen Fernsehkonsum(Gewalt, Konsum, Leid,
Vergnügen,...) begegnen.
   
Choreographie: Domenico Strazzeri
«Avaritia» - Geiz, Habsucht


“... ein geiziges Auge trocknet die Seele aus” (Sir 14,9).
Das Tückische dieser Todsünde ist ihre Maskierung:
«Nichtshergebenwollen» kann sich in vielen Bereichen
zeigen - von Verdauungsschwierigkeiten bis zur völligen
Isolation. Der Volksmund spricht vom «Ersticken am eigenen
Geiz». Eltern, die ihre Kinder nicht «hergeben» wollen
und diese stattdessen allein behüten, sind genauso
gefährdet wie der «Konsummensch», der nicht «sein» sondern
«haben» will. Nur wer etwas hergeben kann - als lieben lernt -
kann seinen Geiz überwinden.
   
Choreographie: Mariel Renz
«Ira» - Zorn


Gemeint ist damit nicht der «gerechte Zorn», der als
«Eigenschaft» Gottes bekannt ist. Denn wer liebt, zeigt in
seiner Treue auch Glut und Heftigkeit. Zorn zieht uns auf
das Niveau des Animalischen und Primitiven. Was im
Zorn angerichtet wird, gebiert Kinder, die dann kaum
mehr einzufangen sind.
Neben dem hitzigen Zorn gibt es aber auch die kalte
Wut, die das Leben eines Menschen verbittern und vergiften kann.

Fotos: Nik Schölzel - www.nikhanna.de
Grafik: Oliver Hurni
Vielen Dank an alle die dieses Projekt ermöglicht haben.
 
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